OpenScience

Aus Open Source Ecology - Germany
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OpenScience innerhalb von OSEG

OSEG-Projekte beschäftigen sich nicht nur mit der Konstruktion und dem Bau von Geräten, sondern, als notwendige Voraussetzungen dafür, oftmals auch mit der wissenschaftlichen Forschung sowie der Entwicklung von Grundlagen und Methoden. Außerdem finden sich unter den OSEG-Mitgliedern auch viele Wissenschaftler und Ingenieure mit einer akademischen Ausbildung.


Wissenschaftliche Ergebnisse basieren auf den Entdeckungen vorangehender Generationen von Wissenschaftlern. Sie stellen somit Allgemeingüter dar und sollten als solche Open Source publiziert und zugänglich gemacht werden. Nur so kann durch Weiterentwicklung bereits vorhandener Erkenntnisse eine stete Effizienzsteigerung erreicht werden.


Im akademischen Praxisalltag findet sich Jedoch mitunter eine andere Handhabung. Forschung wird neben öffentlichen Geldern auch durch Drittmittel aus Wirtschaft und Industrie finanziert. Daraus ergibt sich eine Abhängigkeit, die zur Folge hat, dass es eine „freie Forschung“ im eigentlichen Sinne nicht mehr gibt.

Insbesondere folgende Punkte sind zu kritisieren:

  • Konzerne geben mit ihren Partikularinteressen oftmals die Auswahl der Themen vor, zu denen geforscht wird. Der Anteil an reiner Grundlagenforschung ist somit stark eingeschränkt.
  • Mit der Praxis von Verlagen wie Elsevier u. a. hohe Nutzungsgebühren von interessierten Lesern sowie Gebühren von Forschern für die Publikation bei einem bestimmten Verlag zu verlangen, wird der Zugang zu Forschungsergebnissen deutlich erschwert oder gar verhindert.[1][2][3][4]
  • Obwohl durch "Peer-Review"-Verfahren ein gewisses Maß an Objektivität erzeugt werden soll, kommt es in der Praxis zunehmend vor, dass tendenziöse und in die Geschäftspolitik von Konzernen oder staatlichen Institutionen besser passende, aber verfälschte Ergebnisse als Stand der Forschung präsentiert werden. Ein klischeehaftes Beispiel dafür ist ein Tabakkonzern, der eine von ihm finanzierte Studie zur "Unschädlichkeit des Rauchens" gegen entsprechende Zahlungen bei einem renommierten Verlag so platzieren kann, dass die Ergebnisse wirken als wären sie dem üblichen "Peer-Review"-Verfahren unterzogen worden und somit objektiv.[5]

In Konsequenz ergibt sich daraus, dass die „Wahrheit“, welche mitunter als Gesetzesgrundlage dient, möglicherweise von dem bestimmt wird, der im Vorwege am meisten investiert.

Allmählich dringt diese Problematik in die öffentliche Wahrnehmung vor und erste Ansätze, die dem entgegenwirken sollen, lassen sich unter dem Oberbegriff "OpenScience" [6] subsummieren. Weitere Stichworte sind in diesem Zusammenhang "OpenAccess", "OpenData" und "CitizenScience". Bei Letzterem geht es u. a. um „[...] Konzepte(n) wissenschaftlicher Bürgerschaft, welche die Notwendigkeit hervorheben, die Wissenschaften und Wissenschaftspolitik für die Gesellschaft zu öffnen“.[7] In Anlehnung an diese Konzepte agiert die OpenSource-Bewegung bereits seit langem.

Auch OSEG sieht sich in dieser Tradition und möchte daher den "OpenScience"-Aspekt in Bezug auf eigene Projekte, und dabei insbesondere solche mit Forschungs- und Entwicklungscharakter, stärker hervorheben und unterstützen. Dabei sind frei zugängliche Publikationen ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse ("OpenAccess") eine Selbstverständlichkeit und entsprechen ihrer üblichen Praxis, alle Konstruktionspläne von Bauprojekten unter OpenSource-Lizensierung zu veröffentlichen.

Mittels einer Nutzergemeinschaft sollen die Bauprojekte durch Nachbau und Beta-Testing erprobt und weiterentwickelt werden können. Analog soll diese Weiterentwicklung auch bei OSEG-Forschungsarbeiten praktiziert und dabei die besonderen Eigenschaften sowie die Mächtigkeit des OpenSource-Prinzips genutzt werden. Dies geschieht in einem ersten Schritt z. B. durch interne Peer-Reviews[8][9]. Wie bereits erwähnt, weisen viele OSEG-Mitglieder aufgrund ihrer akademischen Ausbildung die dafür notwendige Qualifikation auf - ein Umstand, den es zu nutzen gilt. Im weiteren Verlauf könnte daraus ein OSEG-OpenScience-Journal entstehen.


Ein wichtiger zweiter Schritt, bei dem sich OpenSource bereits bewährt hat, ist die Verwendung einer gemeinsamen Basis an wissenschaftlichen Entwicklungswerkzeugen (sog. "Tool-Chains") und Software. Diesbezüglich pflegt OSEG eine Liste von erprobten und leistungsfähigen OpenSource-Tools [10], die laufend aktualisiert und ergänzt wird. Die Verwendung dieser Tools bietet mehrere Vorteile:

  • Freie Verfügbarkeit (im Gegensatz zum Einsatz teurer Spezialsoftware)
  • Intersubjektive Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen durch verschiedene Teams, die aber die gleiche Tool-Chain verwenden.
  • Vermeidung von falschen Forschungsergebnissen, z. B. aufgrund fehlerhafter proprietärer Software [11]. Fehler können auch in freier Software auftreten, jedoch ist hier durch Weitergabe der Quellen die Möglichkeit wesentlich größer, diese zu entdecken und zu beseitigen. Außerdem sind hierbei sehr kurze Zeiträume, manchmal schon wenige Stunden nach Bekanntwerden des Fehlers, innerhalb derer ein sog. "Patch" zur Beseitigung des Fehler bereitgestellt wird, die Regel.

Ein dritter Schritt besteht darin, an den OSEG-Standorten nicht nur Werkstätten sondern auch gezielt Forschungslabore einzurichten, wodurch OSEG noch einen Schritt weiter geht als z. B. die Bewegung der "Offenen Werkstätten". Auch deswegen werden solche Standorte von OSEG-Mitgliedern als "OpenEcoLabs" bezeichnet.[12]


Um das OSEG-Profil hinsichtlich OpenScience zu verstärken und auszubauen, wurde als vierter Schritt auch die wissenschaftliche Forschung als einer der beiden Hauptzwecke bei der Gründung des OSEG e. V. in der Vereinssatzung verankert.


Wissenschaftliche Publikationen im OSEG-Umfeld

opensourceecology.org Master-Thesis von Torbjörn Ludvigsen, 2016, "Live Software for RepRap Assembly Workshops"
OSEG Seminararbeit von Timm Wille, 2013, "Open Source Ecology, Perspektiven einer neuen Wirtschaftsform"
OSEG Bachelor-Thesis von Timm Wille, 2015, "Entwicklung einer Berechnungs-Methode für die Auslegung von Pitch-Regelungen bei vertikal betriebenen Windkraftanlagen nach Open Source Kriterien"
OSEG Bachelor-Thesis von Eric Roder, 2013, "Ressourcenbasierte Wirtschaft: Darstellung und kritische Analyse"
OSEG Hausarbeit von Dennis Engel, 2018, "Extruder Instandsetzung eines 3D-Druckers"
OSEG Masterarbeit von Timm Wille, 2017, "Anforderungen an die Technischen Dokumentation bei Open Source Produktentwicklungsprozessen (OSPE)"

(t. b. c.)

Links zu OpenScience-Projekten

appropedia.org Appropedia
energypedia.info Energypedia
DIYbio.org Biohacking
wiki.opensourceecology.de OSEG Linkliste zum Thema Biohacking
okfn.de Open Science AG - Open Knowledge Foundation Deutschland
openlabtools.org OpenSource-Laborgeräte
thingiverse.com Labor-Equipment zum selber drucken
openlabware.net Labor-Equipment zum selber drucken
openeuroscience.com Open Neurophysiologie, incl. Equipment
sciencematters.io "OpenAccess und peer-reviewed OpenScience Journal"

(t. b. c.)

Presseartikel, welche die Missstände in Bezug auf die Freiheit der Forschung belegen

Referenz Beschreibung
Zeit Online "Forschungsfinanzierung: Die gekaufte Wissenschaft"
JobMensa Magazin "Wie abhängig sind Universitäten von Unternehmen?"
WDR 1 "Gekaufte Forschung – Wie Konzerne an deutschen Hochschulen forschen lassen - Monitor"
Telepolis "Missbrauchte Wissenschaft"
Zeit Online "Betrug: Warum lügen und betrügen Wissenschaftler?"
Zeit Online "Betrug in der Wissenschaft: Bitte nur die ganze Wahrheit!"
Zeit Online "Unabhängige Forschung: Rettet die Wissenschaft!"
Süddeutsche Zeitung "Wie weltfremd darf die Wissenschaft sein?"
NachDenkSeiten "Der Bildungsputsch"
Telepolis "Exzellente Entqualifizierung"
Telepolis "Wenn Wissenschaftler Schwierigkeiten mit Excel haben"

Hochschulwatch

„1,4 Milliarden Euro fließen aus der gewerblichen Wirtschaft jedes Jahr an deutsche Hochschulen - das entspricht einem Fünftel aller Drittmittel. Versuchen Unternehmen damit, Einfluss auf die Wissenschaft zu nehmen? Ist die Freiheit von Forschung und Lehre in Gefahr?“ Hochschulwatch gibt einen Überblick über Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft an allen deutschen Hochschulen.

Literaturhinweise und Weblinks

  1. [1], vgl. Tannhof (o. J.), http://wp.ub.hsu-hh.de/17323/fall-elsevier-keine-andere-erklaerung-als-gier/, Abruf am 09.11.2016.
  2. [2], vgl. o. V. (2015), https://www.coar-repositories.org/news-media/new-policy-from-elsevier-impedes-open-access-and-sharing/, Abruf am 09.11.2016.
  3. [3], vgl. Schobert (2015), https://blogs.ub.tu-berlin.de/openaccess/2015/07/kritik-an-den-open-access-richtlinien-von-elsevier/, Abruf am 09.11.2016.
  4. [4], vgl. Pampel (2016), https://wisspub.net/tag/elsevier/, Abruf am 09.11.2016.
  5. [5], vgl. o. V. (o. J.) https://de.wikipedia.org/wiki/Elsevier#Kritik_an_Elsevier, Abruf am 08.11.2016.
  6. [6], vgl. o. V. (o. J.), http://openscienceasap.org/open-science/, Abruf am 08.11.2016.
  7. , H.Riesch, C. Potter: Citizen science as seen by scientists: Methodological, epistemological and ethical dimensions. In: Public Understanding of Science. Band 23, Nr. 1, 2014, S. 107–120.
  8. [7], vgl. Herb Ward et. al. (1997), https://www.nap.edu/read/5939/chapter/4, Abruf am 09.11.2016.
  9. [8], Vgl. o. V. (o. J.), https://de.wikipedia.org/wiki/Offenes_Peer-Review, Abruf am 09.11.2016.
  10. [9], Vgl. o. V. (o. J.), https://wiki.opensourceecology.de/Software, Abruf am 09.11.2016.
  11. [10], Vgl. Herb (2016), https://www.heise.de/tp/features/Wenn-Wissenschaftler-Schwierigkeiten-mit-Excel-haben-3306959.html, Abruf am 09.11.2016.
  12. [11], Vgl. o.V. (o.J.), http://openecolab.de/openecolab.html, Abruf am 09.11.2016.